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< 1. Spieltag: Zweite Herren startet mit knapper Niederlage in Gifhorn
22.10.2018 06:44 Alter: 23 days
Kategorie: Jugend
Von: Lutz Kohrt

U8 Sebnitz - oder: Nicolas auf dem Kiez....


64 Schachfelder für 64 Kinder

Eine spannende Schachwoche liegt hinter uns - vor allem natürlich für Nicolas, der sich in die "Höhle der (U8-)Löwen" getraut hat. Die "Offene U8 Meisterschaft" fand im "Kiez" in Sebnitz statt (www.kiez.com), das man sich wie eine große Jugendherberge "alter Schule" vorstellen kann: sehr(!) einfach, funktional, mit klaren Regeln - und natürlich dem unvermeidlichen Früchte- und Kräutertee zu jeder Mahlzeit ...;-).

Nach Anmeldung und Bezug von Zimmern und Betten (wir legen natürlich selber Hand an) geht's gleich in den Turniersaal, wo uns Turnierleiter Frank Schulze begrüßt und Schiedsrichter und Team vorstellt: Natürlich gibt es jede Menge zu tun: Das Team erstellt u.a. ein Turnier "Bulletin", in dem jeden Tag alle 32 (!) Partien nachzulesen sind - Hut ab! 64 Schachkinder aus 5 Nationen sind dabei und 2 Trainer (davon ein GM) helfen auf Wunsch bei der Partieanalyse.

Hier waren natürlich starke und meist fast 1 Jahr ältere Gegner am Start. Auch wenn wir spekuliert hatten, dass 3-4 Punkte hier schon ein tolles Ergebnis wäre, ging es ja nicht darum, Pokale abzuräumen, sondern in einer schon etwas größeren und bunteren Schachwelt Turnierluft zu schnuppern und sich auszuprobieren.

Die ersten beiden Partien gegen relativ starke Gegner gehen verloren, aber Nicolas hält sich sehr gut!-Seiner ersten Gegnerin bietet er (bei Materialgleichheit!) sogar 28 Züge lang Paroli und seinem 2. Gegner 22 Züge. Dabei verliert er in beiden Fällen eine Figur und gibt auf. Die Ironie dabei: Nicolas hätte in der 2. Runde die Chance auf frühen Materialgewinn und sogar eine Mattchance gehabt, wie sich später in der Analyse herausstellte. Dumm gelaufen ....

Trotz einer gewissen Enttäuschung gibt Nicolas nicht auf und schöpft für die Runde 3 neue Hoffnung, denn das Schweizer System sorgt ja dafür, irgendwann auf einen etwa gleichstarken Gegner zu treffen. Nicolas kämpft wie ein Löwe und holt seinen ersten Punkt mit klarem Materialvorteil nach fast 1 1/2 Stunden (!) und 50 (!) Zügen. Eine so lange Partie hat er wohl noch nie gespielt .... wir lassen auf diesen Sieg erst einmal eine Fanta knallen ...!

In Runde 4 übersieht Nicolas einen Spieß, der zu einem Turmverlust führt und den seine Gegnerin zum Gewinn nutzt. Aber es hat wieder 64 Züge gedauert ...

In Runde 5 wartet wieder ein Gegner mit über 1000 DWZ, der Nicolas auch einen Turm abluchst. Auch das ist nicht ohne Ironie: Nicolas übersieht im Endspiel eine Remis-Möglichkeit durch Dauerschach. Er nimmt es locker ...

Die 6. Partie soll lang werden: Am Ende spielen Nicolas und sein Gegner in einem fast leeren Turniersaal. Nach Ausschöpfen fast der vollen Bedenkzeit (60+15) ist der 2. Punkt im Kasten. Super !

Da Eltern/Betreuer beim Rundenstart jeweils die ersten 15 Minuten draußen bleiben müssen, komme ich in der 7. Runde gar nicht mehr dazu, mich still und leise im Turniersaal einzufinden. Nach 20 Minuten wedelt Nicolas sichtlich erleichtert mit Seinem Notationszettel: Nach gelungener Eröffnung und mehrfachem Materialgewinn gibt seine Gegnerin auf. Der 3. Punkt ist auf Nicolas' Konto.

Nach 2 Siegen wird es in Runde 8 natürlich wieder schwieriger. Und langsam werden die Krieger natürlich auch müde, denn so eine Woche "schlaucht" (nicht nur 7-jährige)! "Er hat nicht ins Spiel gefunden" hätte man bei einem Fußballspieler wohl gesagt: Nach 16 Zügen ist die Partie für Nicolas leider verloren, aber einen haben wir ja noch ....

Die 9. und letzte Runde trägt den Titel "Hätte, hätte, Fahrradkette..."! Der 4. Punkt war zum Greifen nahe, aber dann stellt Nicolas zu seinem eigenen Schrecken bei eigener Gewinnstellung seine Dame ein und der letzte Punkt geht an seinen Gegner. Schade, aber kein Weltuntergang...

3 gewonnene Partien sind für dieses Umfeld für Nicolas ein tolles Ergebnis (Platz 54), vor allem, weil er bei keinem Gegner völlig "untergegangen" ist.

In einer netten Siegerehrung wird jedes Kind einzeln mit Applaus, Pokal und Urkunde bedacht und darf sich außerdem von einem üppig bestückten Gabentisch ein Spielzeug aussuchen.

Und falls jetzt andere U8 Schachkinder bzw. Eltern nun "Appetit" für 2019 bekommen haben, stehen wir gerne für Fragen und weitere Infos (Autor des Textes) zur Verfügung...